Im Schuljahr 2017/2018 tourt Cinéfête bereits zum achtzehnten Mal durch Deutschland und ist somit älter als die meisten SchülerInnen, die teilnehmen. Nach 18 Jahren Wachstum ist Cinéfête eine traditionsreiche Größe im bundesdeutschen Kulturkalender mit über 100 teilnehmenden Kinos und rund 100.000 jungen Besuchern pro Jahr. Der Leitsatz von Cinéfête ist die Erweiterung von Horizonten, das Fördern kultureller und sprachlicher Bildung und nicht zuletzt auch der Einblick in andere Leben und Lebensweisen. Kurzum: Alles das, was Kino kann.

Freuen Sie sich also mit uns auf das neue Filmprogramm:

 

FRANTZ

Regie: François Ozon
Land, Jahr: F,D, 2016
FSK: 12
Länge: 113 Min.
Genre: Drama, Historie

In der deutsch-französischen Koproduktion begibt sich Regisseur Ozon („8 Frauen“, „Jung und schön“) an den Anfang des 20. Jahrhunderts, genauer gesagt ins Deutschland des Jahres 1919. Dort trifft die junge Anna (Paula Beer) auf den geheimnisvollen Franzosen Adrien (Pierre Niney). Beide trauern um Frantz, der im Grande Guerre gefallen ist. Für Anna war Frantz ein geliebter Verlobter, für Adrien ein enger Freund. Allmählich, verbunden durch ihre Trauer, nähern die Beiden sich an. Je intimer das Verhältnis zwischen Adrien und Anna wird, desto offensichtlicher wird auch die Erkenntnis, dass Adrien ein dunkles Geheimnis hütet. Der Erste Weltkrieg war für die europäische Bevölkerung ein tiefer Einschnitt. Nicht umsonst ist „La Grande Guerre“ das Synonym, das man dem Krieg in Frankreich gegeben hat. 100 Jahre nach Ende des Krieges gedenkt François Ozon mit seinem charaktergetriebenen Drama in stilvollen, schwarzweißen Bildern der damaligen Gesellschaft und den verheerenden Konsequenzen, die Krieg auf die menschliche Seele und das kollektive Leben hat.

ACHTUNG, Liebe Lehrer: FRANTZ ist in großen Teilen ein deutschsprachiger Film, der inhaltlich jedoch sehr eng mit der französischen Geschichte verbunden ist und sich daher gut als Grundlage für den Französischunterricht anbietet.

 

 

JAMAIS CONTENTE

Regie: Émilie Deleuze
Land, Jahr: F, 2016
FSK: –
Länge: 90 Min.
Genre: Drama, Komödie

Eigentlich genügt der Titel („nie zufrieden“) des Films bereits als Beschreibung. Aurore (Léna Magnien) ist gerade mal 13 Jahre alt und alles nervt sie. Ihre Eltern, ihre Freunde, ihre Geschwister, ihre Band und sogar sie selbst. Das Leben ist nunmal nicht leicht, vor allem nicht mit 13. Umso aufschlussreicher ist dieser Blick in den Kopf einer intelligenten, schlagfertigen jungen Frau. Nicht nur für die zahlreichen Jugendlichen, die sich ohne Zweifel mit Aurore identifizieren können. Auch für ältere Zuschauer, die eigene Erinnerungen an diese Lebensphase entweder erfolgreich verdrängt haben oder noch immer an ihnen hängen. Gemeinsam nehmen wir an Aurores Leben teil und beobachten sie dabei, wie sie ein Ventil für ihre Emotionen und Gedanken sucht. Wertvolle Lektionen verstecken sich in Émilie Deleuzes Film über eine Teenagerin. Lektionen, für die man nie zu alt sein kann.

LE CIEL ATTENDRA (DER HIMMEL WIRD WARTEN)

Regie: Marie-Castille Mention-Schaar
Land, Jahr: F, 2016
FSK: –
Länge: 105 Min.
Genre: Drama

Es ist ebenso absurd wie erschreckend, wenn europäische Teenager sich bereit erklären, in den Nahen Osten zu gehen und dort den Heiligen Krieg zu kämpfen. Ein psychologischer Prozess, der für den Rest von uns nicht erklärbar oder verständlich ist. Umso wichtiger ist es, dass Marie-Castille Mention-Schaar Wahrheit und Motivation im Film sucht. Die Regisseurin, die bereits mit „Les Héritiers“ in der Cinéfête vertreten war, steckt sich mit „Le Ciel attendra“ erneut große Ziele.  In ihrem Drama untersucht Mention-Schaar die Gedankenwelten zweier junger Frauen, der 17-jährigen Sonia und der 16-jährigen Mélanie. Beide befinden sich an unterschiedlichen Zeitpunkten der Radikalisierung. Hinter einem komplexen, interessanten und höchstrelevanten psychologischem Konstrukt stellt die Regisseurin vor allem eine Frage: „Gibt es einen Weg zurück?“.

LES MALHEURS DE SOPHIE

Regie: Christophe Honoré
Land, Jahr: F, 2016
FSK: –
Länge: 106 Min.
Genre: Komödie, Coming-Of-Age, Fantasy

Sophie de Réan ist ein neugieriges Mädchen voller Energie und Lebenslust. Zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Cousin Paul lebt sie in einem malerischen Chateau und verbringt ihre Tage damit, die umliegenden Schlossgärten zu erkunden. Ein Abenteuer braut sich zusammen, als Sophies Eltern sich entscheiden, in die USA zu ziehen.

MA VIE DE COURGETTE (MEIN LEBEN ALS ZUCCHINI)

Regie: Claude Barras
Land, Jahr: F,CH, 2016
FSK: 0
Länge: 66 Min.
Genre: Animationsfilm, Drama, Komödie

Schon Albert Einstein wusste, „Wenn du intelligente Kinder willst, lies ihnen Märchen vor“. Noch heute sind Märchen ein wichtiges Werkzeug, um den Intellekt und die Fantasie von Kindern anzuregen. Dabei muss man sich nicht auf die Klassiker der Gebrüder Grimm beschränken, wenn man Filme wie „Ma vie de Courgette“ zur Verfügung hat. Claude Barras erzählt uns durch die Linse einer bunten, Stop-Trick-animierten Welt die Geschichte von Icare, der in einem Waisenheim landet und dort mit den anderen Kindern auskommen muss. Dies gestaltet sich allerdings nicht so schwer, jedenfalls im Fall der hübschen Camille. „Ma vie de Courgette“ hat eine lange und beeindruckende Liste an Erfolgen aufzuweisen. Darunter eine Nominierung für den Oscar als besten animierten Film. Oder zwei Césars für Film und Drehbuch. Oder ein überwältigend positiver Konsens der Filmkritiker weltweit. Am meisten sticht jedoch Barras‘ feinfühliger Umgang mit großen Emotionen heraus, egal ob sie schön oder unschön sind.

MERCI, PATRON!

Regie: François Ruffin
Land, Jahr: F,BEL, 2016
FSK: –
Länge: 84 Min.
Genre: Dokumentation

Profitsucht, Ausverkauf, Outsourcing, Lohn-Dumping. Alle diese Begriffe sollten im alltäglichen Gespräch eigentlich nicht vorkommen, ungeachtet dessen haben sie sich in den letzten Jahren virusartig ausgebreitet. Als die Arbeitsstellen von Jocelyn und Serge Klur nach Polen ausgelagert werden, reagiert das Ehepaar allerdings mit einem hallenden „Non!“. Zusammen mit Dokufilmer François Ruffin machen die Beiden sich auf die Suche nach Antworten auf diverse Fragen. Warum ziehen die Jobs weg? Warum werden die Existenzen von Familien gefährdet? Wann ist die Marge groß genug? An der Oberfläche ist die Kampagne der Klurs gegen Bernard Arnault, einen der reichsten Franzosen, ein amüsantes Spektakel, das an die Filme von Michael Moore erinnert. Darunter ist „Merci, Patron!“ ein erfolgreiches und durchaus effizientes politisches Werkzeug, das mit dem Aufstieg einer französischen Protestbewegung seit dem Frühjahr 2016 in Verbindung gebracht wird. In jedem Fall ein eindrucksvolles Beispiel für die mannigfaltigen Wellen, die ein (Dokumentar)Film schlagen kann.

QUAND ON A 17 ANS (MIT SIEBZEHN)

Regie: André Téchiné
Land, Jahr: F, 2016
FSK: –
Länge: 116 Min.
Genre: Drama

In der kommenden Saison wird die Cinéfête um einen echten Berlinale-Veteranen bereichert. Immerhin ist André Téchiné, der seit den späten 60ern Filme macht, mit „Quand on a 17 ans“ bereits zum dritten Mal im Wettbewerb um den Goldenen Bären vertreten gewesen. Téchiné behandelt in knapp zwei Stunden Themen, die unterschiedlicher und universeller nicht sein könnten. Mit Damien (Kacey Mottet Klein) und Thomas (Corentin Fila) stellt er zwei junge Männer in den Mittelpunkt, die sich den anspruchsvollen Aufgaben des Erwachsenwerdens stellen müssen. Als ob dies nicht schon schlimm genug wäre, müssen die beiden Jungs, die sich eigentlich überhaupt nicht leiden können, zusammenziehen und ihre Differenzen früher oder später aus dem Weg räumen. Pubertät und seelisches Wachstum sind ein komplexes Themengebiet, zu dem jeder seinen/ihren eigenen Bezug hat. Téchinés Interpretation der Materie wurde von der Kritik weltweit gefeiert und ist eine ebenso präzise wie subtile Studie des modernen Erwachsenwerdens.

SWAGGER

Regie: Olivier Babinet
Land, Jahr: F, 2016
FSK: –
Länge: 84 Min.
Genre: Dokumentation

In der Jugendsprache haben sich Begriffe wie „Swag“ längst eingebürgert und werden vielerorts, mehr oder weniger ironisch, in den Mund genommen. Der Dokumentarfilm von Olivier Babinet, der in Cannes Premiere feierte und während des Filmfests Hamburg erstmals in Deutschland gezeigt wurde, zeigt uns, was das Wort wirklich bedeutet. Auf der Suche nach der Definition begibt Babinet sich in einen armen und sozial benachteiligten Vorort von Paris. Dort findet er elf Teenager, denen er innerhalb seines Films eine Bühne gibt. Sie erzählen von Ambitionen, Wünschen und den Träumen eines großen Lebens. Sie stellen sich selbst dar, inszenieren sich, berichten aus ihrem Leben. Gezeichnet wird in „Swagger“ kein Bild von Opfern oder Außenseitern. Vielmehr zeigt Olivier Babinet uns einen Strudel aus moderner Jugendkultur, die zumeist hoffnungsvoller und enthusiastischer in die Zukunft blickt, als ihr erwachsenes Gegenstück.