Theater Ansbach – Kultur am Schloss
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Theater

Michael Kohlhaas

nach einer Novelle von Heinrich von Kleist
in einer Fassung von Britta Kristina Schreiber

Fassung, Regie, Bühne: Britta Kristina Schreiber
Kostüm: Astrid Natho

 

Premiere
18.10.2025,
19.30 Uhr,
Theater hinterm Eisernen

Dauer: ca. 80 Minuten, keine Pause

Zwei Pferde. Es geht um zwei Pferde. Der Pferdehändler Michael Kohlhaas ist auf dem Weg nach Dresden zur Auktion. Als er an der Burg von Wenzel von Tronka vorbeikommt, verlangt dieser unrechtmäßig Geld für die Passage. Kohlhaas lässt zwei seiner Pferde als Pfand zurück. Als er auf dem Rückweg wieder an der Burg vorbeikommt, um seine Pferde auszulösen, sind diese nur noch Wracks. Tronka hat sie auf dem Feld zuschanden arbeiten lassen. Michael Kohlhaas verlangt Schadensersatz. Aber Wenzel von Tronka kennt den Richter und Kohlhaas geht leer aus. Das kann man sich nicht bieten lassen. Michael Kohlhaas spricht eine Fehde aus und fackelt Tronkas Burg ab. Mit einem Haufen Gleichgesinnter zieht Kohlhaas durch die Lande und versucht, Gerechtigkeit zu bekommen und schafft dabei mehr und mehr neues Unrecht. Kann man ihn stoppen? Und ist Gerechtigkeit jeden, aber auch jeden Preis wert? Michael Kohlhaas wird zu einem Revolutionär, der im fundamentalistischen Kampf für sein Recht jedes Maß und jede Verhältnismäßigkeit verliert. Ein Krieg beginnt.

Heinrich von Kleist hat 1808 mit Michael Kohhaas eine der größten und bedeutendsten deutschen Novellen über Recht und Unrecht, die Eskalation von Gewalt und die Eigendynamik von Konflikten geschrieben.

Die Inszenierung am Theater Ansbach nimmt den Kleist Text, der die Grundlage des Stückes bildet, ernst und bringt ihn in seiner Novellenform teils spielerisch, teils erzählerisch so wortgetreu wie möglich auf die Bühne. Dabei leistet die Inszenierung etwas, das der Text nicht leisten kann: Er macht die Erzählfiguren sichtbar. Während Kleist die Novelle als eine Form des Berichts verfasste, die schließlich mit dem Satz endet:  „Vom Kohlhaas aber haben noch im vergangenen Jahrhundert, im Mecklenburgischen, einige frohe und rüstige Nachkommen gelebt.”, kann man in der Ansbacher Bühnenfassung drei Frauen sehen, die erzählen, durchleben und regelmäßig neu verhandeln, welche von ihnen denn jetzt den sprichwörtlichen Hut auf hat. Eben jenen Hut, der vergleichbar mit einem Generationentrauma munter weitergereicht wird.

mit:
„Kohlhaas´ Töchter“: Undine Schmiedl, Nicole Schneider, Sophie Weikert

VVK 29/23/15 Euro (Abendkasse + 1 Euro)

Karten

„Britta Kristina Schreiber inszeniert „Michael Kohlhaas“ am Theater Ansbach als postdramatisches Sprech-Terzett mit Ironie und Tiefgang. (…) So lassen Nicole Schneider, Undine Schmiedl und Sophie Weikert den Kohlhaas als imaginäre Figur auf der inneren Bühne eines jeden, einer jeden im Raum entstehen. Das funktioniert sehr gut, nicht zuletzt, weil die drei sich Figuren und Textteile mit choreographischer Präzision übergeben und das Kleist’sche Personal mit kräftigen Strichen umreißen. Fast könnte man die drei für Bänkelsänger halten, die eine gar schröckliche Moritat zum Besten geben. (…) Astrid Nathos gewitzt historisierende Renaissance-Männermode tut das Ihrige, um diesen Eindruck zu verstärken. Die drei Frauen tragen Wams und Heerpauken als Grundkleidung. Kostümteile wie Schürze oder Umhang signalisieren die Figurenwechsel. (…) Leichtfüßig, komödiantisch, ironisch wirkt das, so wie die Hintergrundmusik, ein Oldie-Filmmusik-Mix. Das schließt nicht aus, dass sich nach und nach das Geschehen eindunkelt und ernster wird.“ FLZ, 21.10.2025

 

Zur kompletten Kritik gelangen Sie hier:
Mit Ironie und Tiefgang: „Michael Kohlhaas” am Theater Ansbach | FLZ.de